Generationengerechtigkeit Idee für soziales Pflichtjahr für Rentner stößt auf Kritik
2025-08-25 https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/marcel-fratzscher-idee-des-diw-chefs-fuer-rentner-pflichtjahr-stoesst-auf-kritik-a-42af4a56-35da-4b11-a87c-3778bc37792a HaiPress
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Sozialer Pflichtdienst statt Ruhestand genießen? (Symbolbild)
Foto: Arne Dedert / dpa
Mit Äußerungen zur älteren Generation hat der Ökonom Marcel Fratzscher Kritik ausgelöst. »Wir sollten ein verpflichtendes soziales Jahr für alle Rentnerinnen und Rentner einführen«,sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im SPIEGEL-Interview
.
Außerdem warf er der sogenannten Boomergeneration (zwischen Mitte der Fünfzigerjahre und Ende der Sechzigerjahre Geborenen) vor,diese habe zu wenig Kinder bekommen,wodurch der Generationenvertrag nicht mehr aufgehe. »In den Sechzigerjahren versorgten sechs Beitragszahler eine Rentnerin oder einen Rentner. Bald sind es nur noch zwei«,erklärte Fratzscher.
Der Sozialverband Deutschland (SoVD) wies diesen Vorwurf entschieden zurück.
»Empfinden wir als respektlos«
»Die ›Lebensentscheidung‹,keine vier Kinder zu bekommen,erfolgte bei Millionen Menschen auch aus finanziellen Gründen«,sagte SoVD-Chefin Michaela Engelmeier der Nachrichtenagentur dpa. Sie verwies darauf,dass in vielen Paaren beide Partner erwerbstätig sein mussten,da die Lebenshaltungskosten stiegen. »Ihnen nun daraus einen Strick zu drehen,dass man sich zur Strafe gefälligst im Rentenalter engagieren müsse,empfinden wir als respektlos.«Kritik kommt auch vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB): »Ein Pflichtjahr für Rentner lehnen wir ab. Wer jahrzehntelang gearbeitet hat,hat seinen Ruhestand unbedingt verdient. Wir warnen davor,mit solchen Vorschlägen Generationen gegeneinander auszuspielen«,sagte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel der dpa. »Die Frage,wer tatsächlich auf wessen Kosten lebt,ist in allererster Linie eine Frage zwischen Reich und Arm,also zwischen Kapital und Arbeit,und nicht etwa zwischen den Generationen.«
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Der Soli würde fällig auf alle Alterseinkünfte von Senioren,deren Einkommenshöhe zu den obersten 20 Prozent gehörten,erläuterte Fratzscher. Beamte und Selbstständige und »auch Vermögende mit fünf Immobilien« würden einzahlen. »Zugute käme das den 40 Prozent Rentnern mit den geringsten Einkommen.«
jmm/hba/dpa