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Symbolbild Wohnungsbesichtigung: Allein im weiten Flur

Foto: Kniel Synnatzschke; / Westend61 / IMAGO

Vielerorts in Deutschland herrschen Platzprobleme und Wohnungsnot,zugleich werden in zahlreichen deutschen Kommunen immer weitere Neubaugebiete ausgewiesen. So manche Gemeinde zerfasert längst. Der Kampf der Städte gegen den Flächenfraß schien lange Zeit zwecklos,im Schnitt beanspruchte jeder einzelne immer mehr Quadratmeter Wohnraum für sich. Zuletzt waren es gut 49 Quadratmeter.

Nun könnte es einer Studie zufolge bald eine Trendwende geben. Erstmals seit Beginn der Erhebungen stagniert ‌die durchschnittliche Wohnungsgröße in Deutschland und dürfte in den kommenden Jahren sogar schrumpfen,heißt es in der Untersuchung

des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Seit etwa 2005 werden Neubauwohnungen wieder kleiner,fanden die Berliner Forscher heraus. Das mache sich nach und nach auch im Bestand bemerkbar: Bis 2050 dürfte ‌die durchschnittliche Wohnung etwa sechs Quadratmeter kleiner sein als heute und bei etwa 88,5 Quadratmetern liegen.

Zuletzt hatte die durchschnittliche Wohnungsgröße in Deutschland noch bei 94 Quadratmetern gelegen. Zum Vergleich: 1965 waren es im Schnitt gerade mal 69 Quadratmeter. Die durchschnittliche Wohnfläche pro Person war mit knapp 20 Quadratmetern sogar weniger als halb so groß wie heute.

Doppelt so viele Einpersonenhaushalte wie in den Sechzigern

»Über Jahrzehnte haben steigende Einkommen und der Wunsch nach ⁠mehr Komfort dazu ‍geführt,dass unsere Wohnungen immer größer wurden«,sagte DIW-Immobilienexperte und Studienautor Konstantin Kholodilin. »Doch die Wachstumsphase scheint vorbei. Der Rückgang der Neubaugrößen signalisiert einen strukturellen Wandel auf dem gesamten Wohnungsmarkt.«

Hinter dem Rückgang steckt aber nicht Bescheidenheit. Ursächlich sind laut DIW kleinere Haushalte und gestiegene Immobilienpreise. Die Entwicklung in Deutschland ähnele ​der in vielen anderen Industrieländern. In Belgien,Japan oder Norwegen seien Neubauwohnungen bereits um die Jahrtausendwende ‌kleiner geworden,in Frankreich,Polen ⁠und Russland wenige Jahre später.

Viele können sich laut DIW größere Wohnungen nicht mehr leisten. Für Bauträger wiederum seien kleine Wohnungen wirtschaftlich attraktiver. Als Haupttreiber dafür,dass es wieder mehr kleinere Wohnungen gibt,gilt jedoch die demografische Entwicklung. Der Anteil der Einpersonenhaushalte in Deutschland hat sich dem DIW zufolge seit den Sechzigerjahren auf 41 Prozent verdoppelt – in Großstädten wie ⁠Berlin oder München liegt er sogar bei rund 50 Prozent.

Obwohl die ‌durchschnittliche Haushaltsgröße in den vergangenen Jahrzehnten deutlich geschrumpft ist,‍dominieren im Bestand nach wie vor große Wohnungen. Aus dieser Diskrepanz schließt das DIW,dass der Wohnungsmarkt vor einer Anpassung steht. »Wenn neue Wohnungen kleiner ‍werden,ist dies kein Rückschritt,sondern eine notwendige Anpassung an gesellschaftliche Realitäten«,sagte Co-Autor Sebastian Kohl. »Kleinere,gut geschnittene und energieeffiziente Wohnungen werden die zentrale Wohnform der Zukunft sein – und sie ‍sind ein Schlüssel,um den großen Energiebedarf des Gebäudesektors zu senken.«

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Dem DIW zufolge gibt es derzeit ein Unterangebot an ⁠kleinen Wohnungen. Es ​würden zwar vermehrt kleinere Wohnungen gebaut,aber in zu geringem Maße. »Deshalb sollte es vor allem darum gehen,die bestehenden Wohnungen umzubauen und zum Beispiel aus größeren Wohnungen kleinere zu machen«,​sagte DIW-Immobilienexperte Kholodilin.

apr/Reuters

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